Schreibland

Schau mal!


  • Kreativ vertieft: Bereits zum zweiten Mal leitet Pia Helfferich 2015/2016 die Schreibwerkstatt der Stadtbibliothek Hattingen.

  • Stadtbibliothek Minden, 2016: Auch in der zweiten SchreibLand-Werkstatt inspiriert Andrea Gerecke Kinder und Jugendliche zum Schreiben.

  • Stadtbücherei Ahlen, 2016: Marion Gay gibt den Teilnehmenden praktische Tipps zum Ideensammeln.

  • Schreibwerkstatt in der Stadtbibliothek Bochum: Teilnehmerinnen und Teilnehmer präsentierten ihre Texte. (Foto: Lutz Leitmann)

  • Schriftsteller und Filmemacher Klaus Uhlenbrock drehte in der Stadtbibliothek Emsdetten mit zehn Kindern und Jugendlichen einen Kurzfilm, natürlich nach einem von ihnen selbst geschriebenen Drehbuch.

  • Konzentration pur! Anfang 2016 leitete der Krimiautor und Journalist Thomas Hesse aus Wesel die Schreibwerkstatt in der Stadtbücherei Rees.

  • Autorin Claudia Satory-Jansen hatte für die Werkstatt in der Stadtbücherei Simmerath das Motto „Zwischen Himmel und Erde" gewählt.

Lies mal!

ANNA, Simmerath

Amila

Sizilien, Samstag 17:30 Uhr

„Ihr Name?“, fragt der Ersthelfer. „Antonio“ steht auf seinem Namensschild. Mir ist immer noch kalt. Ich zittere, klappernd stoßen meine Zähne aneinander. Wasser tropft von meinen Kleidern mit einem dumpfen tropf, tropf, tropf. „Jalila“, antworte ich heiser. „Jalila Al Zeno.“
Der Raum ist feucht und staubig, Licht fällt durch zwei schmale Fenster herein. Ein Ventilator dreht sich surrend über unseren Köpfen. Hinter mir in der Schlange stehen noch gut zwanzig Personen, sie alle sind triefend nass. Immer wieder wandert mein Blick zur Tür, doch ich weiß das Amila nicht durch die Türe kommen wird. Denn meine Schwester ist tot.

„Pass auf Amila auf, verlier sie nicht, ja? Dein Vater und ich werden so schnell wie möglich nachkommen, hast du verstanden?“, fragte meine Mutter. Sie war aufgeregt und sie hatte Angst. „Ja“, antwortete ich „Versprochen. Ich hab euch lieb.“ Es war dunkel, das Meer brauste hinter mir. Ich nahm Amila bei der Hand und ging auf das Schlauchboot zu. Ich schließe die Augen, ich kann spüren wie mir eine Träne über die Wange fließt.

Das Räuspern des Ersthelfers reißt mich aus meinen Erinnerungen. Fragend sieht er mich an. Ich habe nicht zugehört. „Entschuldigung?“, frage ich. Er sieht müde aus, abgekämpft. „Hast du noch Verwandte?“ Ich schüttele den Kopf, „Ich weiß es nicht.“  Mitleidig schaut er mich an. „Aus welchem Land kommst du?“ „Syrien“, antworte ich und sehe wieder wie meine Eltern zu kleinen Punkten am Horizont wurden. Amila saß auf meinem Schoß und klammerte sich an mich. Sie weinte. Ich sagte nichts. Was hätte ich auch sagen können? Antonios Kugelschreiber kratzt über das Papier, dann darf ich gehen. Man weist mir eine schmale Pritsche, eine Decke und ein Kopfkissen zu. Ich bekomme nicht mehr mit, wo die Duschen sind, ich bin zu müde. Ich versinke in einen Traum voller Erinnerungen.

Das ständige Rumoren des Motors ließ mich schläfrig werden. In einer Art Dämmerzustand verbrachte ich die Zeit auf dem Boot. Die Nacht war kalt, aber durch die dicht gedrängten Körper rechts und links von mir spürte ich nur den Wind in meinem Gesicht. Während der ganzen Zeit war es still, die gut 500 Passagiere schwiegen  angespannt und gleichzeitig hoffnungsvoll. Sie richteten ihren Blick gen Norden und als die Sonne langsam im Osten aufging, konnten wir einen grüne Sichel am Horizont erkennen: Sizilien. Wir hatten es tatsächlich geschafft. Ich rüttelte Amila wach. Sie schaute mit ihren großen braunen Augen abwechselnd Sizilien und mich an. Sie lächelte, wie nur Zwölfjährige lächeln können, sorglos. Vorsichtig lehnte sie sich in Richtung Sizilien, als wollte sie das Land mit ihren bloßen Händen berühren.

Doch dann geschah, was nicht geschehen sollte.  Amila war nicht die Einzige die die sich nach Norden gelehnt hatte. Ein Mann stürzte ins Wasser, er konnte nicht schwimmen. Seine Frau versuchte ihn zu greifen und wieder ins Boot zu ziehen. Seine vom Wasser voll gesogenen Kleider waren zu schwer und er zu schwach. Er ging unter. Seine Frau schrie. Sie lehnte sich immer weiter über den Rand. Ihr Mann kam schnaufend wieder hoch, versuchte ihre Hand zu erwischen. Ein anderer Mann, im mittleren Alter versuchte ihnen zu helfen. Doch das Gewicht dieses Mannes war zuviel und drückte den Rand nach unten. Wasser schwappte ins Boot. Der Mann im Wasser wurde von den Wellen weggedrängt. Verzweifelt kämpfte er dagegen an, ging immer wieder unter, kam wieder hoch. Immer mehr Wasser schwappte über den Rand. Die anderen Menschen im Boot versuchten hektisch das Wasser mit ihren Händen wieder hinauszuschaufeln. Das Boot schwankte. Amila klammerte sich an mich. Sie hatte Angst. Ich auch.

Der Motor ging aus. Für einen Moment herrschte Totenstille, dann fingen alle  gleichzeitig an wild durcheinander zureden. Einige sprangen auf und wollten zum Heck, schauen warum der Motor nicht mehr lief. Sie stießen dabei immer wieder gegen andere Passagiere. Einige verloren den Halt und fielen ebenfalls ins Wasser. Keiner von ihnen konnte schwimmen. Nun jedoch versuchte niemand mehr ihnen zu helfen. Es herrschte das blanke Chaos. Eiskaltes Wasser umspülte meine Füße und schwappte gegen meine Waden. Ich hörte wie jemand anfing zu beten. Ich spürte wie die Luft aus dem Schlauchboot entwich. Irgendwo ist ein Loch, dachte ich noch, bevor ich angerempelt wurde und den Halt verlor. Ich verkrampfte mich; kalt, sagte mein Körper, eiskalt. Es war ein Schock. Ich fühlte mich wie gelähmt. Dann setzte mein Überlebenswille ein. Ich strampelte. Irgendwie schaffte ich es die Wasseroberfläche zu durchbrechen. Luft. Ich hustete. Meine Kleidung war zu schwer und zog mich wieder nach unten. Mit steif gefrorenen Fingern versuchte ich verzweifelt den Reißverschluss meiner Jacke aufzubekommen. Endlich löste er sich. Keuchend strampelte ich, versuchte mich über Wasser zu halten. Ich brauchte vier Anläufe bis ich die Jacke ausgezogen hatte, ich ließ sie einfach los und begann nach Amila zu rufen. „Amila ! Amila!“, immer wieder. Ich bekam keine Antwort. Dann sah ich sie, zumindest hoffte ich, dass sie es war. Ein kleines Bündel im schwarzen Meer. Mühsam schwamm ich zu ihr, immer wieder stieß ich dabei gegen andere Körper. Erst viel später realisierte ich, dass es Leichen waren. Als ich bei dem kleinen Bündel angelangt war, konnte ich im fahlen Morgenlicht erkennen, dass es nicht Amila war. Dennoch konnte ich mich nicht rühren, denn mich starrten stumpfe braune Kinderaugen an. Irgendwann riss mich die Kälte aus meiner Starre, suchend schaute ich mich um. Ich konnte kaum Lebende von Toten unterscheiden. Ich schaffte es nicht mehr nach Amila zu rufen, meine Zähne klapperten zu stark. Die Kälte machte einen müde, meine Lider wurden schwer. Wach bleiben, sagte ich mir immer wieder, aber es half nicht viel. Mit Mühe und Not schwamm ich bis zu einem Stück Treibholz, es war mal eine Bank auf dem Schlauchboot. Ich schaffte es gerade noch mich darauf zu legen, bevor ich  einschlief.

Nach zwei Stunden holten Rettungsschiffe die Überlebenden an Bord. Insgesamt waren es fünf Schiffe, gebraucht hätten wir nur eines. Auf jedem der fünf Schiffe wurden an die zwanzig Personen verteilt.
 
Jemand rüttelt an meiner Schulter, ich brauche Minuten um zu begreifen, dass ich auf Sizilien, in einer großen Halle bin. Endlich bin ich soweit wach, dass ich erkennen kann, dass Antonio neben meiner Pritsche steht. „Ich glaube ich hab Jemanden gefunden, den du suchst.“, sagt er. Seine Stimme klingt freudig. Schwankend stehe ich auf, doch anstatt Antonios rundes Gesicht sehe ich auf einmal wieder die toten Augen des kleinen Kindes im Wasser. Schnell schaue ich wo anders hin. Es hilft nicht. Verzweifelt huschen meine Augen von einer Ecke zur anderen, doch überall meine ich das Gesicht des Kindes zu sehen und allmählich verändert es sich zu dem Gesicht meiner Schwester. Ich verstehe nicht was Antonio sagt. Es rauscht in meinen Ohren. Schweiß tritt auf meine Stirn. Wie eine Irre folge ich Antonio durch die engen Gänge mit den nackten Glühbirnen an den Decken. Ich bekomme keine Luft mehr. Von allen Seiten drängen sich die bleichen toten Gesichter immer näher um mich. Mir kommt der Weg endlos vor. Endlich erreichen wir eine Halle. Ich erkenne sie wieder, es ist die selbe in der wir registriert wurden. Mitten in der Halle steht ein kleines Mädchen. Ihre Schuhe hinterlassen nasse Abdrücke, als sie auf mich zu rennt. „JALILA!“, schreit sie. In diesem Moment sind all die toten Gesichter verschwunden, denn es ist Amila. Sie klammert sich an mich und ich mich an sie. Keine von uns sagt etwas, dass ist nicht nötig. Stumm weine ich und schwöre sie nie wieder loszulassen. Wir sind zwar Fremde in diesem Land, aber wenigstens sind wir nicht allein.

Erst Jahre später, als wir mit unseren Eltern in Deutschland leben, schaffen wir es von unserer Flucht zu erzählen, erst dann erfahre ich, dass ein alter Mann Amila geholfen hat sich an einem Brett fest zuhalten. Und ich danke noch heute diesem Mann, dessen Namen ich nie erfahren habe.

 

MELISHA, Simmerath

Egoisten

„NEIN!“, ich knallte meine Zimmertüre zu und brach in Tränen aus. „Warum?“, schrie ich: „Warum müssen wir hier weg. Das ist meine Heimat!“ Ich hörte wie meine Mutter schrie ich solle raus kommen, doch ich konnte nicht. Seit der Krieg unser Land regierte flohen alle. Meine Freundinnen waren schon letztes Jahr ausgewandert, als der Krieg gerade erst begonnen hatte. Wir waren eine der letzten Familien in unserem Dorf.

Ich hatte Briefe bekommen von Bekannten. Die Familie wurde auf der Flucht und in den anderen Ländern auseinander gerissen. Sie wurden alle in komische Häuser geschickt wo sie in Gruppen zusammenleben mussten. Viele meiner Familienmitglieder sind auf den Weg nach Deutschland und Österreich umgekommen. Wenn wir jetzt losgehen töten wir uns selbst. Verstand das den keiner! Wenn wir erst mal woanders ankommen, werden die Menschen uns wie Dreck behandeln. Wir haben so viel durchgemacht und ich verliere doch schon alles. Doch als ich letzte Woche einen Brief von einem Freund bekam, war ich noch wütender auf die Menschen als sonst. Er wurde geschlagen! Und das nur weil er eine andere Hautfarbe hatte. Wieso? Warum haben andere Menschen so Angst vor uns. Sie müssen sich in uns hineinversetzen. Aber das schaffen sie nicht. Wieso töten Menschen? Wieso wollen sie Macht? Wieso schlagen sie Leute die anders sind?
Wärend ich weinte und mir diese Fragen durch den Kopf gingen, drängte sich ein Gefühl in den Vordergrund. Es war Scharm! Ich schämte mich ein Mensch zu sein. Ich wollte nicht zu denen gehören die am egoistischsten und am Besitzergreifesten sind. Nicht zu denen die Leute hassen die anders sind. Und nicht zu denen, denen es egal ist wie viel man durchgemacht hat, sondern die immer nur an sich denken. An ihr Geld, an ihre Macht und an ihre Gier.

 


LEA, Oberhausen

Schulweg

Müde aus dem Bett fallen
zur Bushaltestelle einmal über die Straße
in die 956
Nachbarin sehen mit ihrem Kind – wirklich sehr nett
Ohrstöpsel rein, Musik an – „fast car“

2 Haltestellen, dann aussteigen
1 Minute auf Bus warten
am Sterkrader Bahnhof
in die SB 97 steigen
Freunde sehen und mit ihnen reden: „Hey, hast du gester Bachelore gesehen? – Ja klar!...“
Buschhausen Mitt aussteigen
nerviges Gedrängel dröhnt aus dem Bus
zur Schule laufen
mehr Freunde
Schulglocke
Unterricht


Zukunft

Das Schicksal
regiert unsere Welt
ist unser späteres Leben
Wahrheit!


NELE, Oberhausen

Oberhausen

eine Stadt
im großen NRW
an manchen Orten in
Oberhausen ist es sehr dreckig
und an manchen sauber
es gibt auch
laute und
leise

Zukunft

ich fliege
mit meinem Anzug
über die bunte Gegend
super


HILAL, Oberhausen

Schulweg

Voll müde aus dem Bett
Auto einsteigen
Auto fahren – voll langweilig
Bushaltestelle
Ampel ist rot
Straße voll mit Autos
Feld mit Gemüse
Schilder – rot, blau, weiß
Kornbäcker – voll lecker
Straße
Schule
(Boah)
(und zurück)



HEIDI, (12 Jahre), Düsseldorf

Adele der Baustellendackel                

An einem schönen Morgen um 9:15 Uhr tragen zwei Bauarbeiter Tische und Stühle aus dem neuen Bürogebäude Clara von „Clara & Robert“. Dort soll die Firma Isobare einziehen. Sie machen Werbung fürs Internet. Zu der Firma gehört auch eine Christina Kipping, sie ist das Frauchen von Adele, dem Baustellendackel. Man nennt Adele so, weil eines Tages geschah folgendes:

Adele trottete mit Christina über die Baustelle von „Clara & Robert“. Christina macht Adele von der Leine ab und der Dackel trippelt langsam über den Baustellensand. Kurz darauf sah Adele einen Bauarbeiter, der gerade dabei war, die Fenster von außen zu putzen − in 50 Meter Höhe − aber statt die Fenster zu putzen, pendelte er auf dem Kran herum. Da dachte Adele, dass sie ihm helfen muss, also trippelte sie jetzt nicht mehr so langsam, sondern so schnell wie sie konnte, bis sie schließlich zu dem Kran kam. Da sah Adele eine Kiste und lief zu ihr rüber, dann schob sie sie mit der feuchten Nase zum Kran zurück, sprang auf die Kiste und stakste in den Kran. Ach du liebes vergammeltes Leberwurstbrötchen, dachte Adele, ein schlafender Bauarbeiter! Jetzt ist Pfotengefühl gefragt, dann stupste sie einen roten Knopf mit der Nasen an. Aber anstatt runter zu fahren, drehte das Ding sich so schnell wie ein Kettenkarussell. Da sah Adele eine alte Matratze und flitzte dahin. Dann stemmte sie den Po gegen die Matratze und nach zwei Minuten war sie wieder da und in dem selben Moment fiel der Bauarbeiter vom Kranmast.

Erst lag er nur so da und dann schleckte Adele ihn ab. Kurze Zeit danach wachte er auf und nahm Adele fest in den Arm und sagte, dass sie mal mitkommen soll. Auf dem Weg zu seinem Kran sagte er, dass er Steven heißt. Als sie an seinem Kran ankamen, gab Steven Adele ein bisschen leckere Leberwurst und setzte ihr einen gelben Baustellenhelm auf und brachte sie zu Christina. Ich kenne dein Frauchen, sagte Steven zu Adele. Als sie bei Christina ankamen, erzählte Steven ihr alles. Und ab dem Tag war Adele, der Baustellendackel, immer auf der Baustelle.

 


LUCA, Minden

Traumfest

Es war ein Tag vor dem Schulfasching. Kiki hatte jetzt schon schlechte Laune. Sie hasste Karneval und wünschte sich nichts seliger, als dass das Fest ausfallen würde.

Sie lag auf ihrem Bett. Zum Glück war heute keine Schule, aber sonntags ist ja sowieso keine Schule. Sie überlegte, wie sie dem Fest doch noch entkommen könnte, aber es wollte ihr nichts einfallen. Plötzlich kam ihre Mutter ins Zimmer. Sie sagte: „Kiki, ich habe eine Überraschung für Dich.“ Sie überreichte Kiki ein Blatt Papier. Auf dem Blatt stand: FLUG NACH TENERIFFA. Kiki las noch das Datum, dann schrie sie vor Freude.

Sie sprang auf und fiel ihrer Mutter um den Hals, weil sie keine Stimme mehr hatte, sagte sie flüsternd: „Danke Mama, das ist so super.“
 „Ja finde ich auch, wir fliegen nach Teneriffa.“
Scherzhaft fügte sie hinzu: „Ich hoffe du bist nicht sehr traurig, dass du deine Karnevalsfeier verpasst.“
“Überhaupt nicht, aber ich muss jetzt anfangen zu packen, wir wollen doch in 12 Stunde im Flieger sitzen.“

Den Rest des Tages verbrachte Kiki damit, ihren Koffer zu packen. Um 10 Uhr stieg sie mit ihrer Mutter ins Auto. Sie kamen ohne Probleme zum Flughafen. Dort checkten sie dann ein und als sie durch die Kontrolle waren, gab es nur noch eins, was sie tun konnten, um sich die Zeit bis zum Start zu vertreiben: Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen. Kiki schlief ein, doch dann weckt ihre Mutter sie: „Komm, wir können jetzt ins Flugzeug.“ Sofort war Kiki wieder hell wach. Sie machten sich auf den Weg. Eine Stunde darauf schwebten Kiki und ihre Mutter bereits hoch über den Wolken. Der Wecker riss Kiki aus ihrem Traum. Sie hasste Fasching …

 

 

ZEVENAARE, Ahlen

Am Meer

Ich schaue hinaus
Werde ich etwas entdecken?
Da eine Muschel
Geöffnet mit einer Perle
Am Meer
Ich schaue hinaus

Im Kino

Ich hörte einen Knall
War es ein Schuss
Ich hörte Schreie
Verzweifelte Schreie
Im Kino
Ich hörte einen Knall


Rache

Ich bin böse
Mein Gegenteil ist Liebe
Ich empfinde Hass
So stark
Rache
Ich bin böse

 


JULE (9 Jahre), Hattingen

Der Finsterlöwe

Es war einmal ein Löwe. Der hieß der Finsterlöwe, weil er nicht gerade nett war. Er sperrte unschuldige Tiere in seinen Keller und aß sie dort auf. Aber den Tieren geschah nichts, denn der Finsterlöwe war nur ein Geist, der über das Teufelshaus wachte. Das Haus bewachte er, weil der Teufel nach Mallorca geflogen war um seine Tante Malefissent zu besuchen.

Was der Finsterlöwe zu der Zeit aber noch nicht wusste, dass es noch ein anderes komisches Tier gab: Die Sternschnuppeneule! Sie hieß deshalb so, weil sie Sternschnuppen-Astrologin war und Sternschnuppen bei ihren Problemen half. Naja auf jeden Fall war sie ein Engel und deshalb auch ein bisschen unsichtbar.

Eines Tages ging sie nach der Arbeit runter auf die Erde, weil sie bei Aldi Pflaumen kaufen musste. Sie liebte nämlich Pflaumen-Shake. Nach dem Einkauf machte sie noch einen kleinen Waldspaziergang, dort traf sie eine kleine Maus, mit dem Namen Armanda. Die Maus erzählte der Sternschnuppeneule: „Ich bin gerade aus den Krallen des Finserlöwen entflohen! Die Sternschnuppeneule machte sich mit ihren Pflaumen sofort auf den Weg zum Finsterlöwen. Dort schmiss sie die Pflaumen in die Ecke und sagte zum Löwen: „Eigentlich hast du doch so ein gutes Herz, zeig es doch einfach!“ In diesem Moment brach der Finsterlöwe in Tränen aus und sagte mit entschlossener Stimme: “Ich will gut werden!“ Die Eule hob ihre Pflaumen auf, nahm den Löwen an die Hand und ging mit ihm nach Hause.

Ein Jahr später hieß der Löwe nicht mehr Finsterlöwe, sondern Löwenstern. Er wurde Sternenarzt und beschloss Vegetarier zu werden. Die Eule sagte zum Löwen: „HAPPY END!“

 
JULE, Minden

Das Weihnachtsgeschenk

Warum nur immer an Weihnachten? Wieso musste Mama ihren Job verlieren? Warum ist Papa weg?

Sofie tritt wütend gegen einen Stein der gegen ein parkendes Auto knallt. Sofort schrillt eine Alarmanlage los. Mit schnellen Schritten läuft Sofie vor dem Geräusch davon. Erst am Friedhof bleibt sie stehen. Erleichtert schiebt sie das schwere, quietschende Tor auf. Es wird schon dunkel. Für viele Menschen ist der Friedhof ein gruseliger und trostloser Ort, für Sofie ist es der friedlichste Platz auf der Erde. Hier kann sie in Ruhe nachdenken, hier stört sie niemand. Die Traurigkeit ist hier Zuhause. In ihrem Zuhause herrscht auch die Traurigkeit. Mama weint wegen ihrer Arbeit und ihrer Einsamkeit. Tommy, ihr jüngerer Bruder weint, weil er Angst hat dass er nun doch keine Playstation zu Weihnachten bekommt. So viel Traurigkeit. Sofie schlägt ihre Hände vor das Gesicht und lässt ihren Tränen freien Lauf. Laut schluchzend sitzt sie auf der Bank. Sofie fühlt sich sicher, sie weiß dass um diese Uhrzeit niemand mehr auf dem Friedhof ist. Selbst der alte Friedhofswärter nicht. Es hat zu schneien begonnen. Die weißen Flocken fallen friedlich in ihr Gesicht und zerschmelzen mit ihren Tränen.

„Warum weinst du?“, fragt eine zarte Stimme aus der Dunkelheit. Erschrocken springt Sofie von der Bank auf und dreht sich um. Aus dem Schatten der Dunkelheit löst sich eine Gestalt. Es ist ein Mädchen mit langen, geflochtenen, blonden Zöpfen. Sie trägt einen grauen Rock mit Kniestrümpfen und Lacksandalen. Sofie schaudert bei ihrem Anblick und weiß nicht, ob vor Kälte oder Unbehagen. Das Mädchen ist ungefähr in ihrem Alter, aber aus dem Dorf war sie nicht, hier kennt jeder jeden.

„Wer bist du?“, fragte Sofie.
„Mein Name ist Anna, Anna Bischoff und wie heißt du?“ Anna setzte neben Sofie auf die Bank und lächelte freundlich.
„Mein Name ist Sofie, Sofie Müller, was machst du hier Anna? Ich meine, wo kommst du plötzlich her, bist du hierher neu zugezogen?“, wollte Sofie wissen.
„Ich habe dich weinen sehen und wollte fragen, ob ich irgendwie helfen kann?“, Anna blickt Sofie ruhig mit ihren großen, blauen Augen an.
Sofie fühlt sich sehr wohl in Annas Nähe und erzählt ohne Zögern von ihren vielen Sorgen. Manchmal ist es leichter, sich einen fremden Menschen anzuvertrauen. Als ihre Geschichte zu Ende ist, nimmt Anna sie in den Arm.
„Es wird wieder alles gut Sofie, manchmal muss man nur an ein Wunder glauben, du wirst schon sehen. Lauf jetzt nach Hause, wir können uns morgen wieder treffen.“

Sofie sieht auf die Uhr. Mitternacht! Allerhöchste Zeit nach Hause zu gehen. Mama macht sich bestimmt schon große Sorgen. Die beiden Mädchen verabschieden sich wie alte Freunde. Zuhause erwartet Sofies Mutter sie schon im Flur, aber sie sieht nicht böse aus. Ihr Gesicht strahlt vor Freude! Sie erzählt Sofie aufgeregt von einem neuen Job, und dass ihr neuer Chef ein ganz reizender, sehr netter Mann ist. Tommy schläft mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf dem Sofa. Wahrscheinlich träumt er von einer Playstation.

Im eigenen Bett denkt Sofie noch lange über Anna nach, und dass sie tatsächlich recht hatte, es war ein kleines Wunder geschehen, Mama hat wieder einen Job und sah außerdem frisch verliebt aus.

Am nächsten Tag konnte Sofie gar nicht schnell genug zu ihrer Bank auf dem Friedhof laufen. Dort angekommen war aber von Anna keine Spur. Nur der alte Friedhofwärter pflückte Laub von einer Grabstätte.

„Entschuldigung, haben sie ein Mädchen gesehen? Ihr Name ist Anna. Anna Bischoff?“, fragte Sofie den alten Mann. Verwundert sah der Friedhofswärter sie an.
„Meinst du diese Anna?“, er deutet mit dem Zeigefinger auf einem Grabstein. Sofie tritt auf den Stein zu und liest.
Anna Bischoff, geboren am 01.02.1804, gestorben am 24.12.1817.


AMELIE, Minden

Elisabeths Geheimnis

Kapitel 1
Elisans braunes Haar glänzte im Mondlicht und ihre helle Haut leuchtete wie Silber. Ihr dickes, braunes Haar war hüftlang und wurde vom Nebel umhüllt.
Das Silberlicht des Mondes machte das Mädchen müde und wach zugleich.
„Elisan!“
Sie schloss die Augen. Seit einigen Monaten, seit Beginn ihrer Mondsucht, suchte diese leise Stimme sie heim und rief nach ihr. Es war die Stimme eines Mannes, traurig, glücklich und gleichzeitig verzweifelt.
Ihr Herz hatte gleichzeitig Angst und Sehnsucht, wenn diese Stimme erklang.
Der Nebel lief über das Gras wie Tränen über ein Gesicht. Er floss in ihren leicht geöffneten Mund und hinterließ einen salzigen Geschmack auf der Zunge.
Salzig? Sie schüttelte sich vor Abscheu.
„Elisan!“ Der Mond verschwamm vor ihren Augen und sie kippte um.  Der Nebel verschluckte sie und nicht einmal das Licht des Mondes konnte hindurch brechen.

Kapitel 2
Elisan wachte im nassen Gras auf. Haar und Haut waren jedoch staubtrocken. Sie stand wackelig auf und stand zittrig auf ihren Beinen.
„Was machst du da?“ Elisans Schwester Lene stand in der Tür. „Bin hingefallen!“. Sie wusste, wie dumm das klang. Lene zog die Brauen hoch. „Hingefallen, soso!!!“
„Ja!“, erwiderte Elisan und drängte an ihrer älteren Schwester vorbei. „Elisan?“ Ihre Mutter steckte den Kopf aus der Küchentür. „Wie siehst du denn aus?“
„Schlecht!“, antwortete sie wahrheitsgemäß.
„Papperlapapp! Du bist ja klitschnass und kalt. Wo warst du?“
„Ich musste frische Luft schnappen, mir war übel!“
„Du bist gestern auch schon draußen gewesen und hattest Kopfschmerzen“, stellte ihre Mutter besorgt fest. „Ich glaube, wir sollten zum Arzt gehen.“
„Mir geht’s gut, Mama!“ Elisan schluckte. Konnten Ärzte Mondsucht feststellen?
Zum Glück klingelte in diesem Moment das Telefon. Elisan schoss aus der Küche und schnappte sich den Hörer. „Ja?“
„Hi, Elli, hier ist Mariel!“
„Hi, Mari!“
„Wann kommst du?“, fragte Mariel, Elisans beste Freundin.
„Wie, kommen?“ Elisan war verwirrt.
„Wir waren doch verabredet!“ Mariel klang verwundert.
„Aber doch erst um eins!“
„Es ist halb zwei, Elli!“, lachte Mariel.
Elisan zuckte zusammen. Hatte sie so lange im Gras gelegen? Kein Wunder, dass ihre Mutter misstrauisch war.
„Elli, alles klar?“, fragte Mariel besorgt.
„Äh…ja,“ murmelte Elisan leise.
„Glaub ich dir zwar nicht, aber gut. Kommst du?“
„Ja, bis gleich!“, antwortete Elisan und legte den Hörer auf. Sie zog auf dem Weg zu ihrem Zimmer das Nachthemd aus und schlüpfte in Jeans und T-Shirt.
Sie bürstete ihr dickes braues Haar und machte sich einen Pferdeschwanz.
Als Elisan an der Küche vorbeikam, rief ihre Mutter:
„Nächste Woche gehen wir zu Dr. Blumstein.“
Elisan wurde flau. Wenn ihre Mutter erfuhr, dass Elisan mondsüchtig war, würde sie ihr garantiert verbieten rauszugehen.
Sie verließ das Haus und lief den Weg entlang. Sie musste sich beeilen.

Kapitel 3
Mariel erwartete sie schon in der Tür. „Mensch, Elli!“ „Hi!“ Elisan stolperte zu ihrer Freundin. „Alles gut?“ Mariels Augen huschten über Elisans blasses Gesicht.
Sie nickte. „Ja,ja!“
Mariel sah sie kurz an, dann zog sie Elisan hinter sich her in ihr Zimmer. Auf ihrem Bett lag das Buch „Elisabeth, Kaiserin wider Willen“. Elisan las den Titel.
Sie schluckte, ihre Kehle war knochentrocken geworden. „Was ist das?“
„Eine Biographie über Kaiserin Elisabeth, genannt Sissi, wieso?“
Doch Elisan hörte sie kaum.
„Sissi, Sissi, Sissi!“, rauschte es durch ihren Kopf. Fast wie von selbst schlugen ihre Hände das Buch auf.
Da war ein Bild: Eine hübsche Frau mit silberfarbenem Gesicht, haselnussbraunen Augen und bodenlangem, braunem, dickem Haar.
„Sie sieht exakt so aus wie ich!“, stellte Elisan fest. Sie schwankte. Das Zimmer verschwamm vor ihren Augen. Schwärze nahm ihr die Sicht!
„Elisan!“ Die Stimme! „Hier, hier bin ich!“, rief sie zurück. „Elisan!“ Die Stimme kam näher. „Hier, hier….“
Jemand rüttelte sie an der Schulter. „Elli! Elli! Wach auf!“

 

BELANA, Hattingen

Helmut Maus wird fast gefressen

Ach, was hatte ich mir da nur wieder eingebrockt?
Einmal war ich unvorsichtig gewesen und schwupp, schon hatte dieses Ungetüm von einer Katze mich erwischt.

Aber es war doch nur verständlich, dass ich nach dieser langen Woche Regen, die wir im staubigen Kohlenkeller verbracht hatten, wieder einmal an die frische Luft wollte. Die eiligen Schritte der Menschen, die vorübergehen, lassen einem den Wund um die Nase pfeifen, dass die Barthaare so schön zittern.
Ach, ist so ein warmer Sommertag schön.

„Helmutchen, pass auf, sonst frisst dich die Mieze!“, meine Mathilde hatte mich aus meinen Tagträumen gerissen. Anderen Mäusen ist es wohl unverständlich, wie man träumen kann, wenn man fast von einer Katze gefressen wird. Und noch dazu von so einem großen Scheusal wie die Mieze der Nachrbarn, aber ich hatte schon so viel geträumt, dass ich selbst das hier für eine Spinnerei hielt.

Jetzt bekam ich es aber mit der Angst zu tun, denn die Mieze hatte sich in Bewegung gesetzt. „Aaaam beesteen taaucchhe iccchhh dichhhh iin Miiilch, bevooor ichhhh ich fressse. Daann biist duuu auchhhh schhhöön sauuuuber.“ „Hilfe“, begann ich da zu rufen. „Nein, nein, bitte Mieze lass mich doch los!“ Plötzlich erhob sich ein Schatten über uns. Diese grässliche Katze hätte mich vor lauter Schreck beinahe losgelassen, aber eben nur beinahe.

Der Schatten gehörte dem Mädchen, in dessen Kohlenkeller wir lebten.
Ich mochte sie ganz besonders gerne, denn sie hatte in den Keller ihre alte Puppenstube gestellt. Und die Betten darin waren so wunderbar weich und warm. Das Mädchen ging in die Knie und sah mich an. „Bitte, bitte, sag doch der Katze, sie soll mich loslassen“, bat ich das kleine Mädchen.
Und fast als hätte sie mich gehört, sah sie nun die Mieze an und sagte streng: „Nein, Mieze, schämst du dich denn gar nicht? Die arme kleine Maus. Lass sie sofort los“ Hörst du!“

Und etwas freundlicher fügte sie hinzu: „Wenn du sie loslässt, kriegst du auch etwas Feines.“ Das wirkte. Die Mieze ließ mich los und stolzierte von dannen.
Ich aber lief sofort zu meiner Mathilde. Sie schien sehr froh zu sein, mich wieder zu haben, obwohl sie schimpfte, ich solle doch besser aufpassen.
Aber dann frühstückten wir gemeinsam ein Stück Käse und andere Leckereien.

Und ich habe mich nach diesem Abenteuer nicht noch einmal von einer Katze fressen lassen.
Nur in einen Gully bin ich fast gefallen, aber das ist ja nicht schlimm.

 

N.N., Leverkusen

Das Ich und ich

Mein zweites unsichtbares Ich steht direkt neben mir. Es ist allgegenwärtig und begleitet mich ein Leben lang. Dagegen kann ich nichts, aber auch rein gar nichts tun. Jeder hat dieses zweite Ich. ich sehe Ichs neben eines jeden Menschen herlaufen und wenn sich jemand dazu entscheidet, das neben sich herlaufende Ich lieber zu haben und die Rolle dieses Ichs einzunehmen, ist nur noch sein Ich existent. ich möchte das nicht. ich mag mich, ich mag ich zu sein. ich möchte mein neben mir stehendes Ich nicht lieber haben, oder es gar für gutheißen und erst recht nicht dessen Rolle einnehmen! ich möchte so lange wie möglich ich sein und vor allem überhaupt sein und damit auf keinen Fall Ich sein. ich kann keinen zwingen diese wahrlich wichtige Entscheidung wie die meine ausfallen zu lassen, aber ich versuche jeden davon zu überzeugen, dass es schön ist, nicht Ich zu sein. Manche sagen auch, es sei schöner, Ich zu sein, aber woher wollen sie das wissen? Immerhin waren sie noch nie Ich. Jeder weiß, dass es das Ich gibt, aber nur wenige wissen es wirklich zu schätzen, ein ich zu sein.

Presse

Abschlusslesung: Was Kinder und Jugendliche bewegt

„Das war teils schon starker Tobak“, atmete auch Schreibwerkstatt-Leiterin Claudia Satory-Jansen nach dem letzten Vortrag tief durch, als Ulrike Schuppener (Roetgen/14) und Anna Pesch (Simmerath/17) gemeinsam „Das Rätsel meines Todes“ vorgelesen hatten."
2016/5 Aachener Zeitung [Lies mehr!]

Sternen-Wolf und Vollmond-Löwe

„Aus welcher Perspektive schauen eigentlich Tiere auf ihre Welt? Wie sieht zum Beispiel der Alltag eines Faultiers aus?"
2016/3 WAZ [Lies mehr!]

Schreibwerkstatt in der Bochumer Stadtbücherei gestartet

„Die Teilnehmer erarbeiteten sich so miteinander Stilmittel, die sie in einer anschließenden Schreibübung direkt umsetzen konnten."
2016/3 Lokalkompass [Lies mehr!]

Klick mal!

"Die vergessenen Bücher" [You Tube] 
Der Film entstand in einer Schreibwerkstatt unter Leitung von Klaus Uhlenbrock in der Stadtbibliothek Emsdetten.

"Das Pendel der Zeit" [You Tube]
Der Film entstand in einer Schreibwerkstatt unter Leitung von Klaus Uhlenbrock in der Stadtbibliothek Greven.

Workshopleiter/innen

Andrea Gerecke, Hille >>>
Pamela Granderath, Düsseldorf  >>>
Pia Helfferich, Düsseldorf  >>>
Christian Linker, Leverkusen  >>>
Sarah Meyer-Dietrich, Bochum >>>
Klaus Uhlenbrock, Steinfurt >>>